Fistula Projekt

Die Bevölkerung von Mali besteht bis zu 75% aus Frauen. Dies führt meist dazu, dass Mädchen schon im Kindesalter verheiratet werden. Nicht nur das Heiraten im Kindesalter, sondern auch die Polygamie, die Vielehe, ist eine weitverbreitete Eheform in Mali, welche den Frauen das Leben erschwert.


Bald nach Beginn der Menstruation werden die verheirateten Mädchen schwanger. Sie verstehen nicht, was während der Schwangerschaft in ihrem Körper vorgeht.
Müttersterblichkeit und Totgeburten stehen in Mali auf der Tagesordnung. Denn Frauen in Mali sind tausendfach bedrohter als Frauen irgendwo anders auf der Welt. Selbst wenn Frauen solche dramatische Geburten überleben, tragen sie Verletzungen davon, die sie für den Rest ihres Lebens prägen.
 
Was ist Fistula?
 
Fistula ist eine Blasen-Scheiden-Fistel (sog. vesicovaginale Fistel), eine künstliche Verbindung zwischen dem Geburtskanal und den anderen inneren Organen. Eine Blasen-Scheiden-Fistel entsteht, wenn der Kopf des Fötus, bei lange andauernden Wehen gegen die Knochen drückt. Dadurch wird der Blutkreislauf des dazwischen eingeklemmten mütterlichen Gewebes unterbrochen und es stirbt ab. Zugleich kann sich eine Fistel bis zum Enddarm bilden, eine sogenannte rectovaginale Fistel. Folgend bleibt an dieser Stelle eine Verbindung zwischen den beteiligten Organen bestehen. Durch die entstandenen Verbindungen kann Urin und/oder Stuhlgang nicht mehr kontrolliert werden. Die Betroffenen leiden infolgedessen unter schwerster Inkontinenz.
 
Soziale Folgen:
 
Häufig werden die betroffenen Frauen vom Ehemann verstoßen. Viele leidtragende Frauen leben kontaktlos in einer Hütte in der Nähe des Elternhauses. Ihr Leben ist sehr beeinträchtigt.
 
Der Gestank und die hygienischen Probleme erschweren das Zusammenleben mit anderen Menschen sehr. Da Mali auch unter einem Wassermangel leidet, muss das Wasser von weit her transportiert werden. Außerdem sind Hygieneartikel wie z.B. Seife sehr teuer.
 
In vielen afrikanischen Kulturkreisen wird ein solches Krankheitsbild als Selbstverschulden erachtet– so kommt zu dem Schmerz und der Trauer auch noch der Verlust von Selbstwertgefühl hinzu.
 
Wo überall gibt es Fistula?
 
Fistula bzw. Fisteln sind Geburtskomplikationen. Sie entstehen dann, wenn im Notfall keine Kaiserschnitt-Entbindung verwirklicht werden kann.
 
Früher waren Fisteln auch in Europa und Amerika weit verbreitet. Jedoch verringerten sich Fisteln durch die Einführung des Kaiserschnittes immer mehr, bis sie letztendlich völlig verschwanden.
 
Leider stellt Fistula heute immer noch in Ländern wie Mali ein großes Problem dar. Die mangelnde medizinische Versorgung begünstigt diese Erkrankung.
 
Da die Frauen in Afrika und Asien meist keine Lobby haben, ist das Problem bei uns fast unbekannt.
 
Ist eine Heilung möglich?
 
Die meisten Fisteln die durch die Geburt hervorgerufen werden, können durch relativ einfache operative Eingriffe geheilt werden. Durch die Operation werden bis zu 90% aller Patientinnen geheilt.
 
Was kostet die Behandlung?
 
Die Kosten belaufen sich insgesamt auf 350€. Darin sind die Kosten der Operation, medizinische Versorgung und der 7-tägige Aufenthalt im Krankenhaus enthalten.